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Gedanken 2023, Woche 26

(1) Dass sich die Eigenwahrnehmung der Geschlechter und ihr Verhältnis zueinander tiefgreifend wandelt, ist unbestreitbar: die Fixpunkte geschlechtlicher Tatsachen sind fraglos dabei, sich zu verschieben. Daraus jedoch zu schlussfolgern, es handele sich beim Geschlecht um kein reales, sondern um ein definitorisches Phänomen, dem nach Belieben amputierend, operativ oder hormonell, Ausdruck verliehen werden könnte, unterläuft den dynamischen Impuls der Phasenverschiebung dramatisch – und zementiert auf groteske Weise die alten Verhältnisse. Die beginnende Befreiung aus dem gesellschaftlichen Geschlechterkorsett wird so lediglich auf den Kopf gestellt und in elementares Unverständnis überführt. Die große Chance der sexuellen Relativierung bestünde aber genau darin: einander sich anzunähern, ohne Eigenheiten zu verwischen, Hemmungen abzubauen und die Subtilität des Fühlens zu steigern, Geschmack an der Vielfalt von Polaritäten zu entwickeln, sie zu durchdringen und ihre Vorteile wahrzunehmen, ohne sich in Konfrontationen zu verzehren und zu medizinischen Holzhammern zu greifen.


(2) Erfüllung findet man selten, indem man Konkretes erreicht: Erfüllung ist Steigerung im Eigentlichen.


(3) Sie handeln im Namen von Frieden, Natur und Gerechtigkeit und verstehen so viel davon wie Straßenlaternen vom Sonnenlicht.


(4) Starke Selbstzweifel sind unverzichtbarer Teil des Lebens, um daraus neuen Aufschwung zu beziehen. In handfesten Krisen stellt sich die Seele selbstreinigend auf die Probe.


(5) In falscher Gesellschaft fühlt man sich nochmals einsamer und tendiert zu Chaos und Zerstörung, um sich aus der drohenden seelischen Erstickung zu befreien.


(6) Jean Gebser sagt viel Tiefes und Wahres über die Epochen vor und nach der neuzeitlichen Entdeckung der Perspektive. Doch die künstlerische Spiegelung des nächsten großen Zeitenumbruchs an Picasso und seiner Auflösung der Perspektive festzumachen, offenbart ein schwerwiegendes Verhaftetsein in alten Bildern. Denn was Picasso et al. betreiben, ist die Perpetuierung von Denkschablonen unter der Maske revolutionärer Dekonstruktion. In Wahrheit sind es die Impressionisten, die tatsächlich mit der Perspektivität seit der Renaissance gebrochen haben. Ihre Räume lösen sich von der Betrachtung und werden zur Seelenschau: entlang der Himmel von Monet und van Gogh intensiv zu erfahren. Es führt vorhersehbar zu Überspannungen und Brüchen, den fundamentalen Epochenwechsel genau an dem festmachen zu wollen, das zu überwinden sei: Perspektive.



© 2023 alexander hans gusovius


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