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Gedanken 2023, Woche 3

(1) Fast alle Menschen des westlichen Kulturkreises, auch weit darüber hinaus, sind Marxisten im Sinne des dialektischen Materialismus. Sie wissen's nur nicht oder wollen’s nicht wahrhaben. So kommt es, dass die sozialistischen Wechselbilder, national wie international, immer wieder leichtes Spiel haben und bloß baufällige Sehnsuchts- und Fluchtburgen zu stürmen brauchen.


(2) Je höher der Lebensstandard, desto monströser regieren Verdrängung und Selbstbetrug.


(3) Im Zuge der Wissenschaftsvergottung ergeht man sich bevorzugt in dialektischer Vernunft, glaubt aber, sie sei befähigt, paradiesische Verhältnisse zu generieren.


(4) Den politischen Gegnern, dem weltanschaulichen Gegenüber, der religiösen Konkurrenz etc. eine massive, ja die entscheidende Schuld an Armut, Kriegen, Unterdrückung etc. zuzuweisen, hat extreme Ausmaße angenommen. Und obwohl oder gerade weil Schuld ein äußerst komplexes Phänomen ist, wird die Rhetorik der Debatten immer trivialer. Das begünstigt die Entstehung argumentativer Dunkelzonen, in denen sich nahezu unvorstellbare Dimensionen neuer Schuld und neuer Verhängnisse aufkonstruieren.


(5) Was derzeit geschieht, wird uns allen, ob wir aktiv daran mitwirken oder nicht, noch lange nachgehen. Es gibt auch passives, träges, bleiernes Mitgestalten – und eine Dichte von Verhängnis, bei der niemand frei von Schuld ist.


(6) Warum sollte ich in Büchern nicht unterstreichen, was mir auffällt, oder am Rand notieren, wenn ich etwas anders sehe? Die Bücher gewinnen dabei ja meist…


(7) An der allfälligen, industrialisierten Mode als individualistische Illusion mag man sich stören. Sie spiegelt indessen nur die Selbstwerdung des Kleinbürgertums wider, das vom sogenannten Prekariat bis zu den vermeintlichen Eliten reicht und in pubertärer Selbstvergewisserung befangen ist. Man sollte das inflationäre Treiben jedoch nicht überschätzen, sondern aushalten lernen. Sonst dauert es noch länger, bis die Kleinbürger erwachsen werden, gerade auch in Hinsicht auf Geist und Kultur.


(8) Religion sei das Opium des Volks, verkündete einst Karl Marx – und setzte alles daran, der Volksdroge des dialektischen Materialismus den Boden zu bereiten…


(9) Liberalismus, der durch Feigheit auffällt, ist keiner.


(10) 2023 ist das Jahr der Synergien, nicht länger vermag man die inneren und äußeren Sphären des Lebens, ohne schweren Schaden daran zu nehmen, voneinander getrennt zu halten. Insofern ist 2023 auch das Jahr der Entscheidung: entweder für ein Leben innerer und äußerer Übereinstimmung oder die Existenz als verkörperte Selbstlüge, entweder für ein freies, produktives Leben oder ein Dahinvegetieren als Geisel kollektiven Wahns, entweder für ein Leben als seelenbestimmtes, dynamisches Ich oder ein Dasein als trister Widergänger. Überleben, psychisch wie physisch, wird auf längere Sicht nur, wer sich für vorbehaltlose Synergie entscheidet. Davon nimmt dann auch die Aussicht auf ewige Synergie, also Frieden jenseits des Todes, signifikant zu.

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